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CEJA-Kolumne, Ausgabe 2, Dezember 2013

In der neuesten Kolumne des CEJA (Europäischer Rat der Junglandwirte) spricht Massey Ferguson mit Matteo Bartolini, dem Präsidenten des CEJA, über die GAP-Reform und was diese für die jungen Landwirte bedeutet.

MF: Im Juni 2013 wurde eine Reform der neuen GAP 2014-2020 beschlossen. Könnten Sie kurz auf die wesentlichen Punkte eingehen, von denen speziell die Junglandwirte betroffen sind?
MB: Die Reform beinhaltet eine solide Strategie der Unterstützung für Junglandwirte überall in Europa, sowohl in Bezug auf direkte Einkommenssubventionen, als auch in Bezug auf Entwicklungsfonds für den ländlichen Raum. Sämtliche Mitgliedsstaaten sind nun verpflichtet, die direkten Zahlungen an die Junglandwirte in den ersten Jahren ihrer Geschäftstätigkeit durch Zahlungen in Höhe von 2% ihrer nationalen Mittelzuweisung aufzustocken.

MF: Was bedeutet das konkret?
MB: Es bedeutet, dass jeder einzelne berechtigte Junglandwirt, der einen Landwirtschaftsbetrieb innerhalb der EU gründet, gegenüber älteren Mitbewerbern bevorzugt behandelt wird. Das ist ein Triumph der Gerechtigkeit, nicht nur, weil die Regelungen für alle 28 EU Mitgliedsstaaten zwingend vorgeschrieben sind, sondern auch, weil für den Junglandwirt gerade im ersten Geschäftsjahr eine besondere Unterstützung lebensnotwendig ist, weil hohe Investitionen oft niedrigen Renditen gegenüber stehen. Dieser Umstand ist für den Berufsanfänger die mit Abstand größte Hürde und die schwierigste Herausforderung beim Einstieg in die Landwirtschaft.

MF: Welche Barrieren gibt es darüber hinaus?
MB: Der Zugang zu Land und Kapital ist eine weitere erhebliche Barriere. Deshalb wird die Aufstockung auch durch Gründungshilfe sowie ein Maßnahmenpaket begleitet, auf das der Junglandwirt im Rahmen der Entwicklung des ländlichen Raums zugreifen kann. Hat ein Mitgliedsstaat die Kofinanzierung angewählt, dann steht pro Junglandwirt eine Gründungshilfe von bis zu EURO 70 000 bei einem Finanzierungssatz von 80-20 zur Verfügung. Diese Gründungshilfe wird von einem Maßnahmenpaket begleitet, welches unter anderem Unternehmensförderungsdienste, Zugang zu landwirtschaftlichen Beratungsdiensten, staatliche Garantien für Bankkredite und vieles mehr umfasst.

MF: Welche Unterstützung würden Sie besonders hervorheben?CEJA logo
MB: Unter Anbetracht der Tatsache, dass es für einen Junglandwirt außerordentlich schwierig ist, Zugang zu Kapital und Krediten zu erhalten, sind die Gründungshilfe und die Investitionsbeihilfe besonders wichtig: vor allem für die kostenintensiven Investitionen in Maschinen usw.

MF: Mit der Kombination dieser Maßnahmen wurde zum ersten Mal eine echte gemeinsame Gründungspolitik der EU im Bereich der Landwirtschaft geschaffen. Wie kann der Junglandwirt in vollem Umfang hiervon profitieren?
MB: Es ist wichtig, dass der jeweilige Mitgliedsstaat diese Maßnahmen voll ausschöpft. Der Mitgliedsstaat muss die richtige Berechnungsmethode für seine Aufstockungen der Zahlungen an Junglandwirte wählen und so den Betrag von 2% der nationalen Mittelzuweisung für direkte Zahlungen maximieren. Außerdem muss er die Gründungshilfe und die verfügbaren Maßnahmen für die Junglandwirte in seinem Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum nutzen. Und genau dafür setzt sich der CEJA derzeit ein.

MF: Die GAP hat viel mehr reformiert, als nur die Konzentration auf Junglandwirte und den Generationswechsel. Was ist sonst noch wichtig?
MB: Sie beinhaltet jetzt auch wichtige Begrünungsmaßnahmen, um jeden einzelnen Landwirt in der EU dazu zu bewegen, sich aktiv am Umweltschutz und dem Schutz der biologischen Vielfalt zu beteiligen. Außerdem fördert sie die Marktorientierung und die Wettbewerbsfähigkeit der EU Agrarwirtschaft durch das Abschaffen von Hilfsmitteln wie den Zuckerquoten und dem Abbau der direkt an einzelne Erzeugnisse gekoppelten Beihilfen.

MF: Möchten Sie irgendwelche abschließenden Kommentare teilen?
MB: Die endgültige Regelung wurde kürzlich vom Europäischen Parlament im Plenum förmlich angenommen und vom Europäischen Rat am 16. Dezember 2013 formell ratifiziert. Aufgrund der Verzögerungen bei der Reform tritt diese erst am 1. Januar 2015 in Kraft. In diesem Zusammenhang planen die einzelnen Mitgliedsstaaten weiterhin ihr eigenes Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum für die nächsten sieben Jahre und sie wählen ihre eigene Berechnungsmethode für die Aufstockung. In der Zwischenzeit wird durch Übergangsregelungen sichergestellt, dass die Landwirte weiterhin in ihrer schweren Arbeit unterstützt werden.