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CEJA-Kolumne, Ausgabe 4, Februar 2014

In der neuesten Kolumne des CEJA (Europäischer Rat der Junglandwirte) spricht Massey Ferguson mit Matteo Bartolini, dem Präsidenten des CEJA, über die Lebensmittelversorgungskette und deren Einfluss auf Landwirte und Konsumenten.

MF: Wie beeinflusst die Art der Lebensmittelversorgungskette die Landwirte?
MB: Die Lebensmittelversorgungskette ist ein Thema von großer Wichtigkeit in der Landwirtschaft, besonders in Europa. In den letzten Jahrzehnten haben die Verlängerung der Nahrungskette als auch die Anforderungen von der Verarbeitungs- und Vermarktungsindustrie zu einer erheblichen Schwächung der Verhandlungsposition von Landwirten geführt. Ich bin mir sicher, dass Sie von einem Beispiel hierfür gehört haben, nämlich der Milch. Viele Landwirte in der Europäischen Union (EU) sind auf Preisnehmer reduziert worden anstatt selbst Preisvorgeber zu sein. Beide Enden der Lebensmittelversorgungskette - Die Erzeuger am einen und die Konsumenten am anderen Ende - verlieren am meisten bei diesem Modell, bei dem die stärksten Zwischenhändler die größten Profite einfahren. Das muss sich ändern, wenn der Agrarsektor weiterhin attraktiv für junge Menschen sein soll.

MF: Sind irgendwelche Änderungen im Gange?
MB: Der Direktverkauf ist eine neue Methode des Versorgungsmodells, welcher in einigen europäischen Regionen immer beliebter wird, sehr zum Vorteil von sowohl Erzeugern als auch Konsumenten. Der Direktverkauf ist der kürzeste Weg in der Lebensmittelversorgungskette, den man nur haben kann, bei dem Landwirte ihre Erzeugnisse selbst direkt an Konsumenten verkaufen, über ihren eigenen Hofladen oder Abholung auf dem Hof, über Auslieferung oder auf lokalen Märkten. Das führt zu erheblichem Wertzuwachs für diese Landwirte. Dies schließt die lange Kette von Zwischenhändlern aus, die den Landwirten zuvor die Preise diktierten und die Profite für sich behielten. Zusätzlich können Landwirte durch ihre selbstbestimmte Markenentwicklung, Vermarktung und ihren Verkauf die Ertragskraft ihrer Produkte steigern.

MF: Wie profitieren Konsumenten vom Direktverkauf?
MB: Der Direktverkauf bringt den Konsumenten ebenso viele Vorteile. Er garantiert akkurate Informationen über das Produkt, besonders dessen Rückverfolgbarkeit, und ermöglicht den Direktkontakt zum Hersteller... Der Konsument kann wahrscheinlich auch die aller-frischsten Erzeugnisse zu einem sehr wettbewerbsfähigem Preis genießen.

Derartiger Direktverkauf ist auch für die Gesellschaft und die Agrarindustrie als Ganzes von Vorteil. Die Kenntnis um Landwirtschaft und lokale Erzeugnisse wird gefördert und die Vorteile von Bauernmärkten, Hofläden und die bessere Qualität von frischen Agrarerzeugnissen wird verdeutlicht. Die Annäherung von Landwirten und Konsumenten sensibilisiert beide Parteien für die Wünsche und Bedürfnisse des anderen, zudem steigert es auch den Stolz auf lokale und regionale Spezialitäten und Erzeugnisse.

MF: Welche Rolle spielen Junglandwirte?
MB: Der Direktverkauf ist natürlich, wo möglich, eine großartige Gelegenheit für Landwirte jeglichen Alters. Jedoch scheinen Junglandwirte in diesem Bereich besonders innovativ zu sein, möglicherweise, weil viele von ihnen Marketing oder andere Fächer im Bereich der Betriebswissenschaft studiert haben, und verstehen, was von ihnen erwartet wird. Sie haben auch die Möglichkeit innovative Kommunikationsgeräte zu nutzen, um direkt mit ihren Abnehmern Kontakt aufzunehmen, besonders in Bezug auf soziale Medien. Soziale Medien können zur Vermarktung der eigenen Erzeugnisse großartig sein, aber sie bringen auch den Konsumenten näher an den Landwirt und verbreiten umso mehr Information über die Vorzüge von lokalen Erzeugnissen, Direktverkauf und Bauernmärkten. All dies ist für die jüngere Generation von Landwirten einfach zugänglich und sie können hervorragenden Gebrauch davon machen. Ich selbst nutze viele dieser Wege für meinen Trüffel-Hof in Umbrien.

MF: Wie wichtig ist es, Konsumenten und Erzeuger einander anzunähern?
MB: Ich glaube, dass es essentiell ist, um sicherzustellen, dass der Sektor für junge Menschen finanziell attraktiv ist, aber auch um das Bewusstsein um dieselben Angelegenheiten zu fördern, die CEJA von Brüssel aus kommuniziert. Das umfasst Themen wie die alternde Agrarbevölkerung und die Erfordernis europäische Landwirte wegen des Allgemeinwohls und des Wertzuwachses zu unterstützen, die sie der Gesellschaft bieten.

MF: Was kann unternommen werden, um diese Themen hervorzuheben?
MB: CEJA hat in den letzten Jahren hervorragende Arbeit im Bereich dieser Themen geleistet, besonders durch Kommunikationskampagnen wie Future Food Farmers. Dennoch ist das kein Vergleich zu einem Direktgespräch zwischen Landwirt und Konsumenten - sei es auf einem Bauernmarkt oder auf Twitter oder Facebook. Es ist Zeit in der EU das politische Rahmenwerk zur Ermöglichung einer kürzeren Lebensmittelversorgungskette zu schaffen, um die Verhandlungsmacht der Erzeuger und die Vorteile für Konsumenten zu stärken. Die europäische Kommission hat in diesem Bereich Fortschritte gemacht und wir als Junglandwirte sind eifrig dabei, dieser Initiative nachzufolgen. Es ist unerlässlich, dass wir die Kommunikation über die Vorzüge von europäischer, hochwertiger, vielfältiger und sicherer Lebensmittelerzeugung verbessern und warum es Landwirte verdienen für ihre harte Arbeit öffentlich unterstützt zu werden.

Wenn Sie mit Matteo Bartolini oder CEJA in Kontakt treten wollen, so senden Sie bitte eine E-Mail an allusers@ceja.eu