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CEJA-Kolumne, Ausgabe 5, März 2014

In der Kolumne des CEJA (Europäischer Rat der Junglandwirte) dieses Monats spricht Massey Ferguson mit Matteo Bartolini, dem Präsidenten des CEJA, über die Rolle der Frauen in den landwirtschaftlichen Familienbetrieben.

MF: 2014 ist das Internationale Jahr der landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Ganz eindeutig kommt den Frauen in diesen Betrieben eine wesentliche Rolle zu.
MB: Ja, im Rahmen des Internationalen Jahres der landwirtschaftlichen Familienbetriebe ist es von großer Bedeutung, dass CEJA diese großartige Gelegenheit nicht versäumt, das wichtigste Element für das traditionelle Bauernmodell auf der ganzen Welt hervorzuheben - die kommende Bauerngeneration. Dazu müssen wir es schaffen, dass die jungen Leute, insbesondere auch die Frauen, auf dem Land bleiben. Diese tragende Rolle darf nicht unterschätzt werden. Die jungen Leute, und natürlich auch die jungen Frauen, schlagen sich auf der ganzen Welt mit großen Problemen herum, wenn sie es anpacken, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Die Herausforderungen für die jungen Landwirte in Europa sind denen der übrigen Welt nicht unähnlich, besonders im Zusammenhang mit dem Familienhofmodell. Es sieht jedoch so aus, als ob es die jungen Frauen in anderen Gegenden noch schwieriger haben, vor allem in vielen Entwicklungsländern, wo ihnen der ihnen zustehende rechtliche, wirtschaftliche und soziale Status verwehrt wird. Das ist ein Thema, dem auf internationaler Ebene ernsthafte Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte, um zu verhindern, dass dieses Familienbetriebs-Modell verloren geht.

MF: Wie ist diese Situation in Europa?
MB: In der Europäischen Gemeinschaft (EU) stehen Frauen an der Spitze von einem Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe. Doch verzeichnen wir dennoch einen großen Mangel an jungen Landwirten, insbesondere bei den Frauen. Es sieht außerdem so aus, als ob die Landwirtinnen weniger gut formell ausgebildet und erfahren sind, als ihre männlichen Kollegen, obwohl sehr viele Frauen in anderen Sektoren überdurchschnittlich hohe Qualifikationen erreichen. Das führt uns zu dem Schluss, dass selbst bei den Frauen, die am Ende einen Betrieb führen, eine Zukunft in der Landwirtschaft eigentlich nicht ihr ursprüngliches Berufsziel war und sie deshalb nicht frühzeitig eine Ausbildung in diesem Bereich antraten. Für die jungen Landwirte, vor allem wenn sie Frauen sind, ist es elementar wichtig, ihnen die Landwirtschaft schmackhaft zu machen, vor allem wenn Sie einen Hof übernehmen sollen. Außerdem ist es wichtig, professionelle Schulung und Berufsausbildung für den Bereich Landwirtschaft leicht zugänglich, attraktiv und angesehen zu machen, sowohl für junge Männer wie für Frauen.

MF: Was versucht CEJA, dazu beizutragen?
MB: In der Anstrengung, junge Frauen für eine Karriere in der Landwirtschaft oder auf dem Land zu gewinnen, nimmt CEJA zurzeit an dem Projekt MWE - Mentoring Women for Entrepreneurship (Frauen auf dem Weg zum Unternehmertum begleiten) teil. Diese Initiative hat sich zur Aufgabe gestellt, neue Schulungskurse und soziale Netzwerke für Frauen auf dem Land zu schaffen. Auf diese Weise hoffen wir, den Unternehmergeist junger Frauen auf dem Land zu fördern und zu inspirieren, um ihren sozialen und professionellen Status zu verbessern und zur Gleichstellung der Geschlechter in Europa beizutragen. CEJA ermutigt die jungen Frauen auch dazu, ihre Aktivitäten auf EU-Ebene voranzutreiben, zum Beispiel durch Innovations- und "Best Practice"-Projekte, um die Beachtung der Landwirtinnen selbst sowie ihre Erfolge und Beiträge zur Gesellschaft zu steigern.

MF: Welche Hürden machen den Sprung in die Landwirtschaft schwer?
MB: Die wichtigste Barriere für den Eintritt in den Sektor ist der oft fehlende Zugang zu Land und Krediten, besonders für junge Leute. Weiterhin haben die jungen Menschen allgemein mit dem Problem fehlender Infrastruktur auf dem Land sowohl in Europa als auch überall sonst auf der Welt zu kämpfen. Die jungen Leute brauchen zum Beispiel gute Bildungsdienste, soziale Infrastruktur, leichten Zugang zu den Gesundheitsdiensten, bessere Konnektivität wie Telefon und Internet, sowie genug attraktive Arbeitsgelegenheiten. Es ist wichtig, dass Investitionen in diese Güter und Dienste getätigt werden, wenn wir die Frauen und jungen Leute im allgemeinen zum Bleiben in ländlichen Gegenden bewegen wollen, damit sie dort Kinder aufziehen, ihre Karriere schmieden und sich mit ihren Familien niederlassen können. Viel Arbeit in diese Richtung ist für die jungen Landwirtinnen nötig, insbesondere in Sachen Anerkennung der Frauen in der Landwirtschaft sowie des Beitrags, den diese zur Führung vieler erfolgreicher Landwirtschaftsbetriebe leisten. Es ist wichtig, die jungen Leute auf dem Land zu halten, wenn wir wollen, dass das europäische Modell familiärer Landwirtschaft erhalten bleibt.

MF: Wie kann das der Gesellschaft insgesamt nützen?
MB: Die EU hat mit ihrer Unterstützung der jungen Landwirte in dem neuen CAP ein bedeutendes politisches Signal in diese Richtung gesetzt. Diese Initiative sollte auch überall sonst in der Welt Nachahmung finden und in Europa weiter ausgebaut werden. Die Veranstaltungen unter der Schirmherrschaft des Internationalen Jahres der landwirtschaftlichen Familienbetriebe sind bedeutende Aktivitäten in diese Richtung. Dieses UN-Jahr sollte in der ganzen Welt beachtet werden, um der breiten Bevölkerung die Bedeutung der landwirtschaftlichen Familienbetriebe für unsere Lebensweise, die Lebensmittelproduktion und den Erhalt der Umwelt bewusst zu machen. Wir müssen uns zusammentun, um die Vorteile dieses Lebensmodells zu fördern und sein Überleben zu gewährleisten. Dies ist nur durch mehr öffentliche Unterstützung der jungen Frauen in der Landwirtschaft und auf dem Land möglich. Diese Aufgabe obliegt der Gesellschaft als Ganze, nicht nur den Vertretern der Landwirtschaft. Die gesamte Gesellschaft, nicht nur die Landwirte, werden von einem leichter zugänglichen Landwirtschaftssektor profitieren.

Wenn Sie Matteo Bartolini oder CEJA kontaktieren wollen, senden Sie bitte eine E-Mail an allusers@ceja.eu

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